Rückblick: Was 2019 passiert ist:

  

In allen Bereichen des sozialen Lebens sind wir mit unseren Unterstützungsangeboten für die Menschen mit unseren hauptamtlichen und ehrenamtlichen Strukturen aktiv.

 

Für die Stadtverwaltung und das Jobcenter sind wir verlässliche Partner im Tagesgeschäft.

 

Armut versteht sich nicht nur im finanziellen Kontext. Häufig stehen betroffene Menschen einer Vielzahl von sozialen Problemen gegenüber (z.B. Überschuldung, Straffälligkeit, Sucht oder Wohnungslosigkeit). Hier sollte es oberste Priorität einer Kommune sein, dem entgegen zu steuern. Absurd ist, dass gerade diese präventiven Angebote (u.a. Suchberatung, Schuldnerberatung, Arbeitslosenhilfe, Spielerfachstelle) enorm von der Zuschussdeckelung bzw. der nicht auskömmlichen Finanzierung betroffen sind. 

 

  • Bereits zu beginn des Jahres wurden sämtliche Inklusionsmaßnahmen zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention der einzelnen AGFW-Einrichtungen zusammengetragen und den verschiedenen städtischen Gremien zur Verfügung gestellt. Wir fordern auch für 2020 weiterhin, dass unser Wuppertal auch immer mehr ein „Wuppertal für Alle“ wird.
  • Um gegen die zunehmende Ausländer- bzw. Fremdenfeindlichkeit ein Zeichen zu setzen, hat die Bergische AGFW (Wuppertal, Solingen und Remscheid) das Projekt „Jugend stärken gegen Radikalismus, Rassismus und Gewalt“ initiiert. Unterstützt werden soll dies im Rahmen einer Spendenverdopplungsaktion der Bethe Stiftung.

 

Die AGFW hat als Partnerin des Jugendamtes auch unter dem pädagogischen Aspekt einen gesamtgesellschaftlichen Auftrag zu erfüllen. Hier möchte man auch weiterhin in 2020 präventiv und aktiv mitwirken und für Jugendliche konkrete Aktionen sowie Kampagnen in Richtung Sensibilisierung der zunehmenden Radikalisierung planen.

 

  • Im Frühjahr des Jahres trafen sich die AGFW Geschäftsführer*innen mit den einzelnen Ratsfraktionen zu Beratungsgesprächen bzgl. des in 2019 anstehenden Beschlusses des Doppelhaushaltes der Stadt Wuppertal. Thematisiert wurden u.a. die defizitäre finanzielle Lage der Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege aufgrund seit Jahren nicht auskömmlichen städtischen Zuschüssen und das Bündnis gegen Armut aufgrund fehlender finanziellen und personellen Ressourcen.
  • Die neue Reform des Kinderbildungsgesetztes (KiBiz) wurde durch Vertreter*innen der AGFW in mehreren Gesprächen u.a. mit Landes- und Ratsvertretern der FDP sowie mit den Mitgliedern des Landtages hinsichtlich einer notwendigen Qualitätsverbesserung und einer auskömmlichen Finanzierung kritisch begutachtet.
  • Die AGFW setzte sich im Rahmen der Unterarbeitsgruppe „Kita“ für den Bau und Betrieb neuer Kindertagesstätten ein. Für viele Eltern ist es immer noch unmöglich, überhaupt einen geeigneten Kita-Platz zu finden.
  • In diesem Kontext wurde sich auch mit der Frage des immer größer werdenden Fachkräftemangels im Bereich Erzieher*innen auseinandergesetzt. Es fand eine interfraktionelle Gesprächsrunde mit den AGFW-Vertreter*innen statt, um kommunale Handlungsoptionen gemeinsam zu identifizieren.

 

  • Auch hier wird man sich in 2020 gemeinsam mit der Stadt, dem Jobcenter und den Schulleitungen Wuppertals dafür stark machen, den „kitastrophalen“ Gegebenheiten entgegenzuwirken.

 

  • Die AGFW kritisierte einstimmig harte Sanktionen im SGB II durch das Jobcenter. Vielmehr benötigen die Menschen – in den meisten Fällen - Beratung und Unterstützung, die Rücksicht auf ihre individuelle Situation nimmt.
  • Um Zuge des Teilhabechancengesetzes § 16i und 16e SGB II konnten die Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege dazu beitragen, dass über 120 Stellen im kommunalen Interesse in Wuppertal durch Langzeitarbeitslose besetzt werden konnten.

 

 

 

Was ist der Ausblick 2020:

  

  • Die einzelnen Träger der Bergischen AGFW sind mit insgesamt über ca. 25 000 Arbeitsplätzen ein großer und attraktiver Arbeitgeber im Bergischen Städtedreieck. Um unsere Bekanntheit zu steigern und auch zukünftig ausreichend Fachpersonal für das Soziale vorhalten zu können, steht für das kommende Jahr eine Kooperation mit der Bergischen Universität Wuppertal im Zuge eines Branchenreports/ Regionales Konjunkturbaromter an. 

 

  • Das Hauptproblem bleibt!

 

Dieses Jahr war allerdings erneut davon geprägt, dass im Rahmen der Aufstellung des städtischen Haushalts für die Jahre 2020/21 unsere Forderungen nach einer Zuschussanpassung für soziale Leistungen nicht auskömmlich erfüllt werden können. Über ein Jahrzehnt sind wir hier - bei gleichzeitig steigenden Fallzahlen und sich verändernden Aufgabenstellungen - gedeckelt, obwohl auch unsere (Personal-)Kosten steigen und die Zuschüsse zwingend der Realität angepasst werden müssten.

 

Langfristig hat das eine Reduzierung oder gar Einstellung der präventiven Angebote und somit ein Ansteigen der Armut der Wuppertaler Bürger*innen zur Folge!

 

Die zu Beginn des Rückblicks dargestellten Problemfelder zum Thema Armut (Überschuldung, Straffälligkeit, Sucht, Wohnungslosigkeit) müssen auch in diesem Jahr mit allen Nachdruck angegangen werden. Die für viele Menschen in der Stadt Wuppertal nach wie vor hochproblematische Situation bleibt bestehen. Somit wird auch im Jahr 2020 hier weiterhin ein wichtiger Schwerpunkt unserer Arbeit liegen. 

 

Im Hinblick auf die bevorstehenden Kommunalwahlen im September 2020 fragen wir uns, wer diese Stadt sozial voranbringen möchte. Unser Appell an die Fraktionen lautet:

 

Auf Worte müssen auch Taten folgen!

 

Wir fordern zeitnah eine Überprüfung/ Halbzeitbilanz der versprochenen Signale seitens der Politik, um die uns gestellten Aufgaben überhaupt noch ohne weitere Abstriche für die Menschen durchführen zu können.