Rückblick: Was 2020 passiert ist:

 

2020 war ein sehr außergewöhnliches Jahr.

 

Während sich die Dienste und Einrichtungen zu Beginn des Jahres noch mit dem gängigen Tagesgeschäft beschäftigten, überraschte uns das Corona-Virus mit den Maßnahmen zum Infektionsschutz Mitte März alle.

 

Die Hauptaufgabe der AGFW bestand in Folge darin, gerade den besonders Schutz- und Hilfebedürftigen Bürger*innen von Wuppertal dabei zu helfen, einen bestmöglichen Weg durch die Krise zu finden.

 

Viele Dienste und Einrichtungen kämpfen auch derzeit noch finanziell um ihre Existenz.

 

Viele Regelungen waren für die Träger hinsichtlich der Rettungsschirme (z.B. Sozialdienstleister-Einsatzgesetz oder Kurzarbeitergeld) seitens des Bundes unklar. In vielen Bereichen der sozialen Dienste war die Finanzierung bei Weitem nicht auskömmlich oder sie fielen komplett aus den entsprechenden Raster der Rettungsschirme raus. Pauschalisierte Lösungen für einzelne Fachbereiche seitens der Kommune waren notwendig und wurden viel mit den einzelnen städtischen Behörden kommuniziert, was mit einem immens hohen bürokratischen Zusatzaufwand verbunden war.

 

  • Kinder- und Jugendhilfe: Viele Angebote im Bereich der ambulanten flexiblen Erziehungshilfen konnten aufgrund der Krise monatelang nicht im face-to-face-Kontakt durchgeführt werden. Aufgrund des derzeitigen zweiten Teil-Lockdowns befinden sich die Dienste erneut in der Lage und bangen um ihre wirtschaftliche Existenz.
  • Kindertagesstätten: Aufgrund der Pandemie wurden für einige Monate die Beitragspflicht der Eltern sowie die Verpflegungsentgelte ausgesetzt. Dadurch wurden erhebliche Fehlbeträge erzeugt, welche sich mit der Dauer der Betriebseinstellungen weiter erhöhten.

Ein besonderes Augenmerk liegt bei den Diensten und Einrichtungen der Altenhilfe.

 

Die Arbeit in der Altenhilfe verlangte durch die vulnerable Klientel ein Höchstmaß an Verantwortung während der Krise. Die Mitarbeiter*innen arbeiten bis heute ans Ende ihrer Kapazitäten; waren diese doch bereits vor der Krise schon weitläufig ausgeschöpft.

 

Viele Verordnungen seitens des Landes waren schlichtweg von den Einrichtungen in ihrer Praxis nicht umsetzbar, da sie entweder zu kurzfristig angesetzt wurden und/ oder personelle oder räumliche Kapazitäten fehlten.

 

Das verschärfte Infektionsgeschehen hat deutliche Fehlerquellen hinsichtlich der Zusammenarbeit mit den Aufsichtsbehörden aufgezeigt, was der Bewältigung der Krise stark erschwerte.

 

Ein kurzes Aufatmen in den Sommermonaten, in denen sich die Corona-Inzidenzzahl verhältnismäßig niedrig entwickelte, sorgte für den sozialen Blick auf die Kommunalwahl/ Oberbürgermeisterwahl 2020:

 

Die wichtigste Frage der AGFW lautete: Wer bringt diese Stadt sozial voran? Hierzu hatte die AGFW einige soziale Wahlprüfsteine (Kommunale Finanzierung & Subsidiarität, Kinderbetreuung, Soziale Stadtentwicklung & Wohnungsbau, Inklusion, Migration, Integration & Flüchtlingspolitik, Jugendhilfe & Schule, Senior*innen, Arbeit, Beschäftigung & Langzeitarbeitslosigkeit, Gesundheit) entwickelt und im August 2020 mit den Oberbürgermeisterkanditat*innen diskutiert.

 

Zwischenthemen 2020 und 2021:

 

Die AGFW ist seit diesem Jahr eine feste Partnerin in der Bündniskerngruppe in Kooperation mit dem Kommunalen Integrationszentrum. Hier begleitet man die Landesinitiativen „Durchstarten in Ausbildung und Arbeit“ und „Gemeinsam klappt’s“ mit dem Ziel junge Geflüchtete durch spezielle Förderangebote auf ihrem Weg in Ausbildung und Arbeit zu unterstützen.

 

Die AGFW sprach sich im Frühling des Jahres ganz einstimmig und offiziell in einem Schreiben für die Aufnahme von Flüchtlingskindern aus Griechenland aus.

 

Durch die Krise ist das Thema der Flüchtlingsarbeit leider etwas in den Hintergrund gerückt. Hier wird sich die AGFW in 2021 weiter für humane Aufnahmebedingungen einsetzen.

 

Allgemein kämpft man um gute Nachwuchskräfte. Mit der Thematik des allgemeinen Fachkräftemangels im Bereich Erzieher*innen hat sich 2020 und wird sich 2021 die Arbeitsgruppe zwischen AGFW, Stadt, Schulleitungen, Arbeitsagentur und Jobcenter beschäftigen. Ziele der Arbeitsgruppe sind u.a., Steigerung der Attraktivität des Berufes bzw. des Anstellungsverhältnisses, die Förderung von Frauen (mit und ohne Integrationserfahrung), die Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Identifikation von Möglichkeiten der Anerkennung anderer Berufsfelder für den Bereich der Erzieher*innen sowie die Förderung der beruflichen Weiterbildung.

 

Die Wohlfahrtsverbände in Wuppertal fordern eine 100-prozentige Finanzierung der Kindertagesstätten und das bedeutet, dass kommunale Sonderzschüsse den Trägern gewährt werden müssen! Dieses ist in vielen anderen Kommunen selbstverständlich.

 

Die AGFW hat ein Projektteam mit Vertreter*innen der Bergischen Universität -mit dem Ziel der Erstellung eines branchenspezifischen Konjunkturbarometers der Freien Wohlfahrtpflege- aktiviert. Das Regionale Konjunkturbarometer hat zum Ziel, die aktuelle wirtschaftliche Lage und Entwicklung im Bergischen Städtedreieck abzubilden. Die Ergebnisse des Regionalen Konjunkturbarometers werden in dem Konjunkturreport verständlich zusammengefasst und durch wissenschaftliche Experten kommentiert. Durch dieses Projekt wird die wichtige Rolle der Freien Wohlfahrtspflege als Arbeitgeber im Bergischen Land unterstrichen.

 

Es gab -aufgrund der Befristung- Anlass zur Sorge, dass die Zukunft der Schulsozialarbeit gefährdet ist und nur noch bis Ende 2020 gewährt wird. Fest steht nun, dass die Schulsozialarbeit auch über 2020 hinaus und dauerhaft finanziell vom Land gesichert wird. Trotzdem wird sich das Wuppertaler Aktionsbündnis weiter aufstellen, da die Finanzierung darüber hinaus nicht geklärt ist. Schulsozialarbeit muss bleiben! Dauerhaft!

 

Was ist der Ausblick 2021:

 

Insgesamt werden sich die langfristigen Folgen der Pandemie erst im folgenden Jahr zeigen.

 

Die Auswirkungen für die Menschen, die ohnehin schon am Existenzminimum leben, werden verheerend sein.

 

Das Hauptproblem der AGFW bleibt -auch im Hinblick auf die im Herbst 2021 anstehenden Haushaltsaufstellungen-:

 

Auch durch die -seitens der Stadtverwaltung- bereits zugesicherte dynamische Anpassung in Höhe von 1% ab dem Haushaltsjahr 2022 ist die Finanzierung unserer sozialen Dienste und Einrichtungen nicht auskömmlich.

 

Hinzu kommen die finanziellen Auswirkungen der Krise mit den denkbaren Folgen von Schließungen/ Einstellungen/ Reduzierung einiger Angebote.

 

Dies wird wiederum Folgen für die Wuppertaler Bürger*innen mit ihren individuellen und steigenden Bedarfen durch die Coronakrise haben.

 

Die in 2020 bearbeiteten Coronabedingten Probleme werden uns also auch im folgenden Jahr begleiten.

 

Hier stellt sich die Frage, was diese Kommune, aber auch das Land und der Bund zukünftig bereit sind, einzusetzen, um der bevorstehenden Zunahme an Armut entgegenzusteuern!